KRAYER KRÖNER
& STIEF

MUSTERTESTAMENTE

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„Kostenlos und rechtssicher“ können Sie angeblich im Internet bei verschiedenen Anbietern „Ihre Testamentsvorlage“ herunterladen.

Unsere Meinung dazu: Das ist nicht wahr. Es ist unmöglich, dass ein juristischer Laie rechtssicher ein halbwegs vernünftiges Testament schreibt. Auch nicht mit Anleitung. Sie basteln sich doch auch nicht Ihr eigenes Atomkraftwerk im Keller auf Basis einer schriftlichen Anleitung, oder?

Solche Angebote im Internet, die den den Eindruck vermitteln sollen, mittels einer Vorlage – oder Backmischung – könne jedermann rechtssicher in Form eines Testaments über sein Vermögen im Ganzen verfügen, sind wenig sinnvoll, unseres Erachtens sehr gefährlich.

Bedenken Sie, dass Sie mit Ihrem Testament über Ihr gesamtes Vermögen verfügen. Das Testament hat daher für den Testator und dessen Angehörige eine große Bedeutung. Und wir jedenfalls sind uns sicher: Sie sind nicht dazu in der Lage, rechtssicher ein Testament zu gestalten. Und schon gar nicht ein Testament, das sinnvoll ist und Ihrer persönlichen Situation gerecht wird.

Beispiele für fehlerhafte Testamente füllen ganze Bibliotheken und beschäftigen die Gerichte in erheblichem Maße. Dabei geht es um Geld und Vermögen. Dabei werden Familien zerstört und Bindungen zerbrochen.

Fall (falsche Testamente)

Fall (falsche Testamente)

Oder aber ein Testament ist nicht fehlerhaft, aber Sie können die Situation nicht ingsgesamt überblicken. Das 5. Buch im BGB, wo das Erbrecht geregelt ist, hat weit über 400 Paragraphen und regelt so in allen möglichen Kombinationen hunderttausende Alternativen.

Lesen Sie beispielsweise einmal diesen Fall, der in unserer Praxis genau so vorgekommen ist:

Ein Ehepaar mit 2 Kindern hatte in jungen Jahren (damals in den 70ern) – beide waren erst 40 Jahre alt – ein Berliner Testament gemacht. Das Testament war grundsätzlich kaum zu beanstanden, aber es war nicht komplett durchdacht, wie Sie gleich sehen werden. Die Ehefrau stirbt früh. Zum Zeitpunkt des Todes hatte weder die Ehefrau noch der Ehemann Vermögen. Der Mann heiratet wieder. Aus der neuen Ehe gehen keine Kinder hervor. Beide Ehegatten arbeiten, verdienen gut und führen auch wirtschaftlich eine „normale“ Ehe, das Geld kommt also insgesamt in einer Kasse zusammen.  Jedenfalls wird nicht „abgerechnet“. Es besteht loser und friedlicher Kontakt zu den Kindern des Ehemannes aus erster Ehe.
Um seine Ehefrau zu versorgen, schenkt der Ehemann seiner (jetzigen) Ehefrau das Einfamilienhaus, in dem beide wohnen. Wenig später stirbt er.

Wo ist das Problem? Werden Sie fragen.

Wir antworten: Das Problem liegt in der Vorschrift des § 2287BGB. Danach durfte der Ehemann auch zu Lebzeiten möglicherweise nicht über sein Vermögen verfügen. Denn mit dieser Verfügung hat er das Erbrecht der Kinder aus dem 40 Jahre zurückliegenden Testament möglicherweise beeinträchtigt, sozusagen ausgehöhlt. Wohlgemerkt; die erste Ehefrau war weder am Haus beteiligt noch hatte sie etwas dazu beigetragen. Das Haus war damals gar nicht existent in der ersten Ehe, auch das Geld nicht, um es zu kaufen. Aber darauf kommt es nicht an in § 2287 BGB: Dort heißt es in Absatz 1: „Hat der Erblasser in der Absicht, den Vertragserben zu beeinträchtigen, eine Schenkung gemacht, so kann der Vertragserbe, nachdem ihm die Erbschaft angefallen ist, von dem Beschenkten die Herausgabe des Geschenks nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung fordern.“
Auf Deutsch: Die Kinder aus erster Ehe können von der Ehefrau die Herausgabe des Hauses verlangen, weil ihre Mutter und ihr Vater vor 40 Jahren, im Zustand der völligen Vermögenslosigkeit, ein gemeinschaftliches Testament gemacht haben. Wohlgemerkt: Das Haus wurde erst später erworben, im Prinzip unter Einbeziehung des Einkommens der 2. Ehefrau. Die „Absicht“ wird übrigens unterstellt, wenn Sie dies nachfragen würden. Wir haben über 2 Instanzen prozessiert. Das Ergebnis ist differenzierter, als ich es hier darstellen kann, aber der „Fall“ ist eine Kostprobe und soll Ihnen vor Augen führen, dass Sie unmöglich dazu in der Lage sein können, die Materie auch nur ansatzweise zu überblicken.

Vertrauen Sie nicht auf Mustertestamente.

Bitte beachten Sie, dass sich unser Büro nicht mehr in Rodgau, sondern in Seligenstadt befindet. Wir besuchen Sie auf Wunsch im gesamten Rhein-Main-Gebiet und beraten Sie bundesweit telefonisch.

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